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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Cardiocrinum giganteum - Erfahrung?



Micc
26.12.2006, 22:55
Im Winter wird man ja ziemlich malle, auch wenn hier in Duisburg noch Rosen, Schopflavendel und Delosperma fleißig blühen - aber irgendwie verhaut man sich gedanklich nach dem Kick.

Für nächstes Jahr sind gartenmäßig diverse Eremuri schon versenkt (auch robustus - klaaaa, aber auch ein himalaicus), dazu viele makaronesische Natternköpfe.

Aaaaber - so ein Cardiocrinum giganteus wär schon was, trotz der nahezu 20 Euro pro Stück.

Lieb wäre ein Erfahrungsbericht zu der zierlichen Liliengestalt. Sicher - pralle Sonne und trockener Boden perlt nicht so, aber hat hier wer diese erstaunliche Pflanze erfolgreich über längere Zeit kultiviert?

:)
Michael

frank
27.12.2006, 06:35
Also mit einer Topfkultur hatte ich keinen Erfolg. Auch eine Knolle im Garten hat nicht gut ausgetrieben (da wars allerdings schattig). Ich versuche es aber auch mal wieder.

Micc
27.12.2006, 09:20
Hallo Frank,

man liest ja so einiges über die Kulturbedingungen dieser Pflanze, darunter die Notwendigkeit für eine große Pflanzgrube aufgrund des "besonderen Wurzelsystems", worunter ich mir nichts vorstellen kann. So sollte man die Grube 1 m tief ausheben und mit "Pflanzenmaterial" füllen. Heißt das nun, dass die Pflanze über einem in die Tiefe versenkten Komposthaufen gesetzt wird?

Dazu Waldrandbedingungen, niemals austrocknender Boden - schwierig zu bewerkstelligen in einem Garten, dessen Obstbäume im Sommer jedes Fitzelchen Feuchtigkeit wegsaugen.

Wie gesagt, aus dem, was man im Netz so findet, werde ich nicht ganz schlau bzw. muss noch die besonderen ökologischen Erfordernisse einplanen.

:)
Michael

Micc
27.12.2006, 15:08
Jetzt versteh ich das mit dem Kompost. Die Pflanze ist sehr nährstoffhungrig. Da hat eine Gärtnerin mal den kaum seriösen Tip gebracht, ein totes Pferd in die Pflanzgrube zu geben, aber das müsste auch mit einem Sack Kuhfladen zu schaffen sein, meine ich.

Ich bin immer noch begeistert von dieser bis zu 4 m hohen Lilie! Mir juckt das Portemonnaie.

Ein Wermutstropfen ist die Anfälligkeit für Schnecken. Das muss ich mir durch den Kopf gehen lassen. Ein geeignetes Pferd suchen UND dazu einen Schneckenzaun bauen ist viel Arbeit.

:rolleyes:
Michael

Berthold
27.12.2006, 20:04
Cardiocrinum giganteum ist frostempfindlich und sollte im Winter abgedeckt werden, da die Zwiebel sehr hoch an der Erdoberfläche wächst. Ich hatte sie in humosem gut drainiertem Boden in einer Efeuschicht im Halbschatten. Nach der Blüte stirbt die Mutterzwiebel ab, bildet aber Tochterzwiebeln. Die Zwiebeln und die Tochterzwiebeln verfaulen leicht, da wäre ich mit einem toten Pferd vorsichtig.

Gruss Berthold

Micc
27.12.2006, 21:24
Also wär die allerorten dargestellte Empfehlung, ein gut drainiertes und äußerst gut gedüngtes Pflanzloch bereit zu stellen, etwas zu relativieren?

Die Abdeckung ist ein Muss - man sollte die Zwiebel (?) nicht tief pflanzen, das ist ein guter Rat. Es ist in unserem teilweise maritimen Klima im Ruhrgebiet ein wenig schwierig, die Exoten genau einzuschätzen. Das ist kein einfacher Ort.


:)
Michael

husar2003
27.12.2006, 21:49
Ich habe Cardiocrinum seit etlichen (10 ?) Jahren im Garten.

- Sie stehen halb unter Bäumen bzw. in deren Schatten.
- Sie bekommen 2 * im Jahr organisch mineralischen Dünger
- Sie werden leider gern von Schnecken heimgesucht, sodaß bei mir dem Dünger das Schneckenkorn folgt
- auch Lilienhähnchen sind ein Thema, aber harmloser als bei den bekannten Gartenlilien.
- absolut frostunempfindlich, selbst die Minus 18 Grad vom letzten jahr ist ohne jeden Schaden an den Zwiebeln vorbeigegangen. Evtl. etwas Laub, eher weniger, die Pflanzen möchten früh austreiben, die Packung stört bloss.
Ich habe den Eindruck, dass hier in den Büchern ziemlich blind voneinander abgeschrieben wird. auch die jungen Austreibe sind unempflindlich gegen Spätfröste,
- es sind Zwiebeln, keine Knollen
- aus ehemals 2 sind jetzt ca. 50 oder mehr Stück geworden , ich habe zig verschenkt, zum Schluß auch ausgedünnt, ich kann nicht alle aufheben. Man bedenke, dass aus einer blühenden Pflazne leicht 5-15 neue Zwiebeln entstehen, die einzeln gesetzt auch schon wieder 6 Quadratmeter verschlingen.
- die Pflanzen werden - außer im Hochsommer bei mehrwöchigem Ausbleiben von Regen) NIEMALS zusätzlich gewässert, das ist eine absolute Todsünde und hat hat schon vielen das Leben gekostet.
- die Pflanzen möchten in sandigem, mageren, durchlässigem Boden stehen.
- die Zwiebeln möchten teilweise aus der Erde herausschauen. Kleine Zwiebeln können auch bis zur Spitze eingegegraben werden, sie schieben sich mit dem Alter sowieso aus der Erde raus.

Micc
27.12.2006, 23:38
Hallo Thorsten,

vielen Dank für deinen Beitrag! Ich habe genau wie du den Verdacht, dass die Literatur kolportiert.

Deine Kulturbedingungen machen mich optimistisch. Ich befürchtete schon ein Klima a la Meconopsis betonicifolia - das könnte ich unmöglich bewerkstelligen.

Ich glaube, ich versuche es mal (und wäre natürlich über ein Tauschobjekt dankbar;))

:)
Michael

huehnermaus
28.12.2006, 10:27
Hi Micc,
ich habe mir vorletzten Sommer 2 Pflänzchen von ca 20 cm Höhe gekauft. Habe diese in ein Kreisbeet im Rasen zu einem Pampasgras und Steppenkerzen versenkt. Der einzige Winterschutz sind die kurz geschnittenen Reste der Nachbarpflanzen. Zwar haben sie noch nicht geblüht,aber trotz des letzten strengen Winters sind sie gut gewachsen. Schneckenkorn ist Pflicht!

LG Hühnermaus

Berthold
30.12.2006, 17:31
Ich habe genau wie du den Verdacht, dass die Literatur kolportiert.

Deine Kulturbedingungen machen mich optimistisch. :)
Michael
Hallo Michael,
wenn dier Pflanze in der Literatur als schlecht winterfest beschrieben wird, so sicher deshalb, weil sie tatsächlich schwierig über den Winter zu bringen ist. Es liegt wohl nicht an der fehlenden Frostfestigkeit, sondern daran, dass sie sehr leicht abfault so wie viele alpine Pflanzen und chinesische Lilien. Bei humosem Substrat und Temperaturen leicht über null und unserer Feuchtigkeit hier im Flachland gibt es meist Probleme.
Gruss Berthold