V-Programmhinweis:
„WALLACEA - EXPEDITION ZUR WIEGE DER MEERESFAUNA“
Dokumentarfilm/Tauchexpedition von DEEPWAVE e.V. zur Erforschung der indonesischen Korallenwelt
Mittwoch 30. Mai 2007 19:00 Uhr auf ARTE
Kurzbericht am Samstag den 2. Juni 2007 ca. 19:00 „DAS taucht“ auf N3
Hamburg, den 29.05.2007
Sehr geehrte Damen und Herren: wir bitten um Beachtung!
ARTE-Film-Dokumentation am Mittwoch 30.5.07 um 19:00 Uhr
„Wallacea - Expedition zur Wiege der Meeresfauna“
Zusammenfassung: Im Jahr 1850 erforscht der junge britische Naturforscher Alfred Russell Wallace die Inselwelt des Malaiischen Archipels und entdeckt, dass die Natur in diesem Teil der Erde durch eine geheimnisvolle, magische Grenze in zwei Teile geteilt ist. Eine Grenze, die noch heute seinen Namen trägt. 150 Jahre später bricht eine Expedition von DEEPWAVE-Forschern auf, um genau an dieser biogeografischen Trennlinie zwischen asiatischer und australischer Flora und Fauna ein weiteres Rätsel der Evolution zu lösen, diesmal unter Wasser. Die Forscher tauchen ab in eine faszinierende Unterwasserwelt, die dem britischen Naturforscher damals verborgen blieb.
Der letzte Flecken der Erde - noch gibt es sie
Tropische Inseln gelten als Spielplatz der Evolution. Allein in den Regenwäldern der indonesischen Insel Sulawesi sind über 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten endemisch, das heißt, sie existieren ausschließlich hier, nirgends sonst auf der Welt. Im Jahr 1850 erforscht der junge Naturforscher Alfred Russell Wallace die Inselwelt des Malaiischen Archipels und entdeckt, dass die Natur in diesem Teil der Erde durch eine geheimnisvolle, magische Grenze in zwei Teile geteilt ist. Eine Grenze, die noch heute seinen Namen trägt. Die „Wallace–Line“. Sie trennt die westliche asiatische Fauna von der Tierwelt im Osten rund um Australien. Doch eine Frage ist seither ungeklärt: Existiert diese mysteriöse Grenze in der Tier- und Pflanzenwelt auch unter Wasser?
DEEPWAVE-Expedition zum Wallacea-Graben
150 Jahre später: Meeresforscher von DEEPWAVE e. V. machen sich zusammen mit einem Filmteam von Matthias Kopfmüller auf, um genau an dieser geheimnisvollen Grenze das Rätsel der Evolution zu erforschen. Die beiden Inseln Bali und Lombok liegen zwar nur 30 Seemeilen entfernt, werden aber durch eine gigantische Meeresschlucht getrennt. Wallace selbst schrieb: “,...und obgleich die Inseln nur durch eine schmale Meeresenge getrennt sind, unterscheiden sie sich stärker als England von Japan.“
Gibt es eine „marine“ Wallace-Line, von der die Menschheit nur noch nichts weiß? Erste Untersuchungen von Meeresbiologen zeigten, dass bestimmte Fischarten und Krebse verschiedene regionale Populationen gebildet hatten. Aber die Daten sind nicht ausreichend. So begibt sich DEEPWAVE auf eine dreiwöchige Expeditionsreise in die tropische Inselwelt, um Proben von Einzellern (sogenannten Foraminiferen) zu sammeln, um diese Frage besser klären zu können.
Die Expedition in den Sunda-Inseln findet in einem noch weitgehend unberührten und unerforschten Tauchgebiet statt. Jeder Tauchgang ist ein Vorstoß in eine unbekannte Welt. Hauptaufgabe ist das Sammeln und Bergen von Fundproben am Meeresgrund. Nur die direkte Gegenüberstellung der marinen Tier- und Pflanzenwelt von beiden Seiten der Schlucht kann den erhofften wissenschaftlichen Beweis erbringen.
Doch die Tiefe der Steilwand und die gewaltige Meeresströmung werden zu einem unerwartet schwierigen Hindernis. Mit langen Stahlseilen, die sie wie alpine Gipfelstürmer in den Berg haken, kehren die Forscher in die Schlucht zurück. Es gelingt tatsächlich die Oberflächenströmung zu durchbrechen und Proben auch aus den tieferen Zonen zu nehmen. Schon unter Wasser wird klar: Sollte diese geheimnisvolle Trennlinie auch unter Wasser existieren, so spielen die Meeresströmungen eine entscheidende Rolle.
Hot Spot der Artenvielfalt
Zurück an Bord werden die Proben einer ersten wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen. Dr. Onno Groß, DEEPWAVE Hamburg, und sein Kollege Prof. Dr. Uthicke vom „Marine Research Institute of Australia“ analysieren, verpacken und beschriften die wertvollen Fundstücke. An befreundeten Instituten werden sie derzeit noch genetisch untersucht und nochmals genauestens mikroskopisch analysiert.
Wallacea gilt weltweit als sogenannter „Hot Spot“ - als Zentrum der Artenvielfalt und Knotenpunkt der Biodiversität. Faszinierende Aufnahmen tauchender Riesenschlangen und Warane machen die Einzigartigkeit dieses „Hot Spots“ deutlich. Bis heute hat die Wissenschaft 1,8 Millionen Tiere, Pflanzen und Bakterien katalogisiert.
Auf ihrer Expedition im Kielwasser des berühmten britischen Naturforschers entdeckt das Deepwave-Team neue Arten und findet auch erste Hinweise für eine „Grenze der Natur“ - der sagenumwobenen Wallace-Line - unter Wasser.
Bedrohte „Wiege der Meeresfauna“
Wallacea entpuppte sich für DEEPWAVE e.V. und die beteiligten Wissenschaftler leider auch als Schreckensroute: Überall finden sich die Spuren gedankenloser Zerstörung der Unterwasserparadiese. Denn die Korallenwelt Indonesiens ist durch vielfältige Gefahren bedroht: An erster Stelle steht die Dynamitfischerei, dazu kommen die Überfischung, das Hai-Finning, der Handel mit Zierfischen und die steigende Temperatur im Ozean.
Das DEEPWAVE-Team findet daher an vielen Stellen der Expedition großräumig zerstörte Korallenriffe. Auch der Klimawandel hinterlässt sein Spuren, da sich mancherorts gebleichte Korallenfelder bisher nicht erholt haben. Dornenkronen-Seesterne, ein Korallenfrassfeind, konnten zum ersten Mal auch westlich der Banta-Insel beobachtet werden und deuten darauf, dass dieser Weidegänger weiter die Riffe bedroht.
Projekt zum Schutz der Riffe
Ein Ausweg aus dieser ständigen Bedrohung kann nur in der weiteren Ausweisung von Meeresparks liegen. Im Komodo-Nationalpark konnte gezeigt werden, dass strikte Überwachung die Dynamitfischerei und Riffzerstörung um 90 Prozent verringerte. Die indonesische Regierung muss daher schleunigst weitere Korallenriffe unter Schutz stellen.
DEEPWAVE hat zudem ein Korallenschutz-Projekt in Vorbereitung: Wir wollen entlang der Segeltour-Routen zwischen Bali und Flores einige feste Ankerplätze (moorings) installieren. Damit wird ein wildes Ankern in den Buchten verhindert, die unter Wasser die Korallen weiträumig schädigen. Wenn Sie diese Projekt unterstützen möchten, senden wir Ihnen gerne weitere Informationen. Auch schon geringe Spendensummen helfen beim Schutz der noch verbliebenen Korallenriffe.
Das DEEPWAVE Expeditionsteam:
Dr. Onno Groß ist Meeresforscher und Gründer des Vereins DEEPWAVE – die Initiative zum Schutz der Hoch- und Tiefsee. Sein Spezialgebiet sind Foraminiferen, nur wenige Millimeter große Einzeller mit bizarren Kalkgehäusen. Die Initiative DEEPWAVE betreibt seit vier Jahren intensive Aufklärungsarbeit zum weltweiten Schutz des Ozeane.
Dr. Sven Uticke ist Hamburger Meeresbiologe und erforscht nun seit 14 Jahren am Australian Institute of Marine Science in Townsville Seegurken und tropische Korallenriffe. Zurzeit arbeitet er an molekularen Biomarkern, biochemischen Methoden, die den Zustand der Korallenriffe schneller erfassen helfen können. Sven hat mehrere Tausend Tauchgänge unternommen und ist doch immer wieder von der Vielfalt der Korallenwelt fasziniert. Daher seine Vorliebe für das „Manta-Towing“ - dabei lässt man sich von einem Boot über die Riffe ziehen.
Matthias Kopfmüller gilt als international anerkannter Taucher und Filmemacher. Er entdeckte u. a. das Trümmerfeld der Seeschlacht von Lepanto im Golf von Patras und das Wrack eines Schiffes von Christoph Kolumbus. Seine Exepditionen, die er oft über Jahre recherchiert und plant, hat er in Aufsehen erregenden Filmen dokumentiert. Sein Film über die Schlacht von Lepanto wurde u. a. für die Aufnahme in die Auswahlliste des renommierten Grammy-Awards in den USA vorgeschlagen.
Dr. Mark Aulya ist Spezialist für Warane und Riesenschlangen (Herpetologe) an der Universität Bonn. Als Experte für die Nachfahren der Dinosaurier hat er detaillierte Studien über die Tierwelt Indonesiens veröffentlicht. Keine Schlange oder Krokodil entgeht seinem geübten Auge und flinken Handgriff. Mark arbeitet heute für „TRAFFIC Southeast Asia“ in Malaysien und muss den rapiden Artenschwund der Reptilien in einem der reichsten Ökoregionen der Erde dokumentieren.
Kamera: Dirk Wojcik & Martin Ritter (UW)
Ton: Thomas Norhausen
Filmproduktion: Martin und Rene Boucsein
Länge: ca. 45 Minuten