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Thema: Feigenwespe in Mitteleuropa

  1. #1

    Standard Feigenwespe in Mitteleuropa

    Bisher konnte sich die Feigenwespe nicht in Mitteleuropa etablieren. Dies könnte sich meiner Ansicht nach ändern.
    Das veränderte Klima verbessert die Überlebenschancen der Feige und damit direkte Lebensbedingungen der Feigenwespe in Mitteleuropa. Die Feigenwespe ist besonders auf die Ausbreitung der Bocksfeigen angewiesen.
    Es werden frosthärtere Feigensorten entstehen, welche zur Ausbreitung beitragen werden.
    Letztlich muß sich nur irgendwo am Flußsystem am Rhein eine Population von Bocksfeigen und Feigenwespen etablieren, die würden sich dann auch in die Nebenarme ausbreiten. Dies würde dann die evolutionären Mechanismen von Mutation und Selktion vorantreiben.

    In den USA wurde die Feigenwespe durch den Menschen bewußt eingeführt. Wie würdet ihr einen solchen Eingriff in das Ökosystem beurteilen, welcher die sichere Entwicklung beschleunigen würde?
    viele Grüße

    Paul

    aus dem Lahntal

  2. #2

    Standard

    Sobald das Klima hier wärmer wird, nimmt die Feigenwespe diesen neuen Lebensraum an, denke ich. Feigenbäume warten in D genug, ich habe im Internet von mancher schon alten Bocksfeige in D gelesen.
    Andere Wärme liebende Insekten sind auch auf dem Vormarsch, haben sich hier eingerichtet, meist unfreiwillig eingeschleppt.
    Jetzt werden nur die Vorteile der Feigenwespe gesehen, sicher ist ihr Leben hier auch mit Nachteilen für die heimische Insektenwelt verbunden. Aber darüber schreibt niemand. Würde mich interessieren.
    Gruß
    Feigenfan

  3. #3

    Standard

    Es wird angegeben. das die Region Lyon die nördlichste Region ist, in der die Feigenwespe verbreitet ist. Ich nehme an, das dies auch die Region ist, in der noch relativ viele verwilderte Feigenbäume nachgewiesen sind. Darunter befinden sich dann natürlich auch die Bocksfeigen, in denen die Feigenwespen aufwachsen und auch den Winter als Ei, Larve o. Puppe verbringen.
    Eine absolute Grenze für diese Faktoren kann es nicht sein. Feigensämlinge kommen seltener auch in ganz Mitteleuropa vor. Sie werden durch Menschen und Zugvögel weit verbreitet. Die Feigenwespe kann auch 100 km entfernt von ihrem Geburtsort nachgewiesen werden.
    Möglicherweise sterben Bestände der Feigenwespe in einem extremen Winter in den durch Tiefstemperaturen betroffenen Regionen ab. So gab es in Lyon z.B. in den letzten Jahren folgende Extreme:
    am 24.12.2009 MINUS 10,9 Grad, am 28.2.2019 Minus 7,9 Grad und am 29.2.2012 Minus 12,1. Die Feigenwespe würde sich aber im folgenden Sommer wieder in diese Region ausbreiten. 100 km Ausbreitung der Wespe würde bedeuten, das die Feigenwespe im Sommer als vereinzelte Evemplare bis nach Deutschland vorkommen müßten. Die Feigenwespe kann sich dort aber nicht etablieren, obwohl die Durchschnittstemperaturen und Tiefsttemperaturen z.B. im Rheinflußsystem nur einige Grad höher liegen. Dieses Rheinflußssystem ist über Kanäle mit der Rhone verbunden. Selbst das natürliche Flußssystem ist im Bereich der Quelle der Mosel nicht weit weg von Quellflüssen der Rhone.

    Mich würde die Frage interessieren ob die Feigenwespe auch schon im Bereich des Oberlaufs der Mosel o. anderen Rheinnebenflüssen brüten o. welche gründe sie bisher daran hinderten.
    Ich persönlich vermute das sie auch im Oberlauf der Mosel brüten. Es müßten in diesem Bereich doch noch relativ viele verwilderte Feigen inclusive Bocksfeigen existieren, damit dies möglich ist. Die Wetterereignisse drängen diese vorgeschobenen Lebensgebiete dann wahrscheinlich wieder zurück, so das die Ausbreitungsgrenze der Feigenwespe sehr schwankt.

    In Afganistan leben Ficus Carica und Ficus Palmata. Sie werden von derselben Feigenwespe befruchtet und können sich kreuzen. Sie bilden eigentlich eine Fortpflanzungsgemeinschaft. Die Klimasituation in Afganistan zeigt größere Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter und vor allem in den Bergen auch extreme Tiefstemperaturen. In einigen Internetberichten wird geschildert, das in Afganistan Feigen extreme Tiefsttemperaturen von Minus 38 Grad überlebt haben. Wahrscheinlich wird auch die Feigenwespe sich an sehr tiefe Temperaturen angepasst haben, wenn auch nicht unbedingt Minus 38 Grad. Die Feigenwespe kann solche von extremen Tiefsttemperaturen betroffenen Gebiete ja auch im Sommer neu besiedeln.
    Für uns wären in Mitteleuropa solche extrem frostharten Feigenpflanzen aus Afganistan interessant. Man könnte sie auch mit unseren Fruchtfeigen kreuzen. Ficus Palmata soll persistent sein.
    Wahrscheinöich stammen viele bei uns als Ficus Afganistanica verkauften Pflanzen von Minifeigen aus der Türkei. Diese Samen sind leicht zu bekommen. Sie haben aber nicht die Frosthärtegene aus den Bergen Afganistans.
    Ein Feigenzüchter in Deutschland könnte in einem Gewächshaus als geschlossenes Sytem wahrscheinlich auch echte Feigenzucht betreiben, im Sommer auch mit Freilandpflanzen. Die Feigenwespen müssten dann mit ihren Bocksfeigen-Wrtspflanzen in geschützten Räumen überwintern. Würden die fast absolut frostharten afganischen Feigen in unsere Fruchtfeigen eingekreuzt, hätten wir sehr schnell ein großes Spektrum von Fruchtfeigen die auch in Klimazone 6 nicht zurückfrieren. Letztlich existieren solche Feigen in Afganistan schon.
    viele Grüße

    Paul

    aus dem Lahntal

  4. #4

    Standard

    Heute habe ich bei ebay ein Inserat gelesen, das jemand Feigensämlinge aus dem Vorjahr verkauft. Die Samen hätte er aus den Früchten eines Baumes im Rheinland.
    Wenn es keine echt jungfernfrüchtige keimfähige Samen waren, würde das bedeuten, das die Feigenwespe spätestens letztes Jahr das Rheinland erreicht hat. Nach dem milden Winter müßte sie sich dieses Jahr dann weiter im Rheintal ausgebreitet haben. Es fehlen ihr allerdings genügend Bocksfeigen für die massenhafte Vermehrung.
    Interessant für Feigenliebhaber wäre es jetzt z.B. persistente Wildfeigen anzupflanzen, um selbst Feigen zu züchten. Wildfeigen, wie Ficus Palmata Caucasus können beide Funktionen in der Fortpflanzung übernehmen.
    Vielleicht erreicht die Feigenwespe dann dieses Jahr auch das Lahntal. Das werde ich dann mal testen.
    viele Grüße

    Paul

    aus dem Lahntal

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